Mecklenburger ParkLand

Mecklenburger ParkLand Werk einer mehrere Jahrtausende währenden Landeskultur. Von wegen plattes Land! Einmal mehr zeigt sich insbesondere hier zwischen Ostseeküste und Seenplatte, dass der einstige Gletscher bis vor 10.000 Jahren nicht einfach alles glatt gehobelt hat, was sich ihm in den Weg stellte. Nein, das Mecklenburger ParkLand offenbart, dass tausend Meter mächtiges Eis ein kunstvoller Gestalter sein kann, der den lehmig, sandigen Untergrund geknetet, gewellt, zu Kuppen geformt und mit breiten Schmelzwasserrinnen durchzogen hat. Abwechslungsreich und vielfältig war damit schon die Grundlage für die weitere Gestaltung des urigen, aber bereits vielfältig ausgestatteten Landes durch den Menschen, der in der Jungsteinzeit vor etwa 5.000 Jahren hier entlang der Recknitz sein Jäger-und-Sammler-Dasein gegen die bäuerliche Sesshaftigkeit eintauschte. Vielfalt heute ein naturschutzrechtlicher Parameter für schöne Landschaft und intakte Ökologie; damals jedoch bereits ein untrügliches Markenzeichen für eine gesunde Lebensgrundlage des Menschen. Richtig, alles schon mal da gewesen und heute aktueller denn je, denn ökologischer Landbau setzt die in der Gutswirtschaft geborene Tradition der naturverträglichen Landwirtschaft in der Region fort. Die Landwirtschaft damals und heute sind verantwortlich für das Aussehen dieser Region: Weiträumige Acker- und Weideflächen werden von intakten Alleen, Baumhecken, Söllen, Flüsschen, Bächen und Wäldern und nicht zuletzt von den Gutsdörfern und Ackerbürgerstädtchen selbst strukturiert und lassen sich auf der Trasse der einstigen Rübenbahn neu entdecken. Oder auf unserem kleinen Fluss Recknitz, welches die Slawen vor mehr als tausend Jahren eben treffend mit reka nize bezeichneten. Schon bald entsteht dabei der Eindruck eines riesigen englischen Landschaftsparks, nicht zuletzt aufgrund der vielen uralten Bäume, die einzeln, in Gruppen oder Reihen markante Blickfänge sind und insbesondere rund um die Rübenbahn alles andere als zufällig angeordnet sind: Diese Region wurde ab dem frühen 19. Jahrhundert systematisch als Park-Landschaft gestaltet und ist als solche heute noch gekennzeichnet eben das Mecklenburger ParkLand.

Augen der Landschaft so werden die fast kreisrunden Weiher durchaus poetisch, aber passend umschrieben, die das Mecklenburger ParkLand mit zahlreichen himmelblauen Farbklecksen bereichern. Eiszeitliche Sölle, alte Mergel-, Ton- und Lehmgruben haben sich mit Wasser gefüllt und spiegeln die Farbe des Himmels wider. Recknitz und Warbel nutzen derweil eiszeitliche Schmelzwasserbahnen, um in die Ostsee zu gelangen. Lang gezogene oder perlschnurartig aneinander gereihte Sandhügel, die Oser, durchziehen die eiszeitliche Grundmoräne. Relikte längst vergangener, vom Menschen unbeeinflusster Zeiten. Der hinterließ allerdings auch schon vor 5.000 Jahren riesige Großsteingräber und filigran bearbeitetes Feuersteinwerkzeug gemeinsam Namensgeber der Jungsteinzeit. Zweitausend Jahre später hielt die Bronze Einzug, einfachere Hügelgräber lösten die Steingräber als noch heute landschaftsbildprägende Relikte der menschlichen Kultur ab. Massiv landschaftsgestaltend war der Mensch also nicht erst seit gestern, Wald-, Acker- und Wiesenbewirtschaftung dominierten schon damals das abwechslungsreiche Bild. Mit den slawischen Burgen, heute als eindrucksvolle runde Wallanlagen insbesondere entlang der Recknitz zu bestaunen, kam ab dem 7. Jahrhundert ein neues Kulturlandschaftselement dazu. Den größten Einfluss auf die Gestalt des Mecklenburger ParkLandes hinterließ jedoch die ab dem 13. Jahrhundert allmählich eingeführte, großflächige Kultivierung und Arrondierung der weiträumigen und fruchtbaren Grundmoränenlandschaft. Gutshäuser versinnbildlichen diese großräumig organisierte Landwirtschaft als politische und wirtschaftliche Stützpunkte, Klöster und Kirchen als Glaubensmanifeste im bis dahin heidnischen Slawenland. Zunächst im barocken Stil streng geometrisch und die Architektur des Gebäudes im Mittelpunkt betonend errichtet und erweitert, erfuhren die Gutshäuser, Schlösser und Parks ab dem frühen 19. Jahrhundert eine regelrechte Metamorphose: Gefragt war getreu der klassizistischen und naturalistischen Bewegung auf der britischen Insel die möglichst naturnahe Gestaltung von Garten und Landschaft, die behutsame Integration des Hauses in die Umgebung als Symbol für die Rückbesinnung auf die wahre Rolle des Menschen im ökologischen Gefüge sowie das Gespür für natürliche Schönheit. Dieser Einfluss prägt bis heute das Mecklenburger ParkLand und ist in nahezu jedem Winkel regelrecht zu spüren.